Im Blickpunkt – Jason Andringa

Jason Andringas enges Verhältnis zu seinem Großvater Gary Vermeer, dem Gründer der Vermeer Corp., hat seine Entscheidung für eine Karriere im Bereich Engineering stark beeinflusst. Nach kurzer Tätigkeit bei der NASA trat Andringa vor 11 Jahren in das Familienunternehmen ein und übernahm im November 2015 die Nachfolge seiner Mutter Mary Andringa als President und CEO des Fertigungsunternehmens mit Sitz in Pella, Iowa. Er arbeitete zunächst als Ingenieur bei Vermeer und bekleidete nach und nach immer höhere Führungspositionen, bevor er schließlich erst zum President und Chief Operating Officer und anschließend zum CEO ernannt wurde. Auch wenn die Wurzeln des Unternehmens im Bau von Agrartechnikmaschinen liegen, machen Industrie- und Baumaschinen heute 80 Prozent des Geschäfts von Vermeer aus. Zu Andringas Zielen für Vermeer gehören u. a. eine deutliche Steigerung des Auslandsgeschäfts und die fortlaufende Entwicklung neuer Produkte.


Erzählen Sie uns von Ihrer Zeit bei der NASA.
Als Maschinenbaustudent arbeitete ich — im Zuge einer Art verlängerten Praktikums — ein Jahr lang für das Johnson Space Center in Houston. Das war eine großartige Erfahrung für mich und zu diesem Zeitpunkt fasste ich den Entschluss, im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik ein Aufbaustudium am MIT zu absolvieren. Anschließend war ich vier Jahre lang für das Jet Propulsion Laboratory tätig, bevor ich zu Vermeer wechselte. Ich hatte die Gelegenheit, an vielen verschiedenen Projekten mitzuarbeiten. Das nennenswerteste Projekt, an dem ich während dieser vier Jahre zwischenzeitlich immer wieder arbeiten durfte, war jedoch der Rover Curiosity, der mittlerweile auf dem Mars eingesetzt wird.


Was waren Ihre Schlüsselerlebnisse bei Vermeer?
Ich bekleide derzeit meine sechste Position bei Vermeer und hoffe, dass ich in dieser Rolle länger tätig sein darf, als in den vorherigen fünf. Anfangs arbeitete ich als Ingenieur und war an der Einführung von Produkten in neuen Märkten im Bereich Kompostierung und Bio-Recycling beteiligt. In meiner zweiten Position konnte ich die wohl einschneidendsten Erfahrungen sammeln. Ich lebte drei Jahre lang in den Niederlanden, wo ich für unsere regionale Niederlassung für die Unterstützung unserer Kunden und Händler in Europa, im Nahen Osten und in Afrika zuständig war. Für mich war das eine Art „Probelauf“ um herauszufinden, ob „ich wirklich die Verantwortung für einen derartig begrenzten Bereich übernehmen möchte“ — und ich muss sagen, es hat mir wirklich Spaß gemacht.


Was waren Ihre ersten Kindheitserfahrungen im Unternehmen?
Meine erste Erinnerung ist die, dass ich einmal im Winter mit meinem Großvater in einem damals noch nicht fertiggestellten Gebäudeteil war, in dem sich heute die Personalabteilung befindet und er dort Schießübungen mit Pfeil und Bogen machte. Mein Großvater verbrachte die letzten 30 Jahre seines Lebens den Großteil der Sommermonate beim Angeln in Kanada. Er nahm nicht nur Familienmitglieder und Freunde sondern auch Vermeer-Mitarbeiter auf dreitägige Angelausflüge mit. Ich war nicht nur jeden Sommer mit ihm beim Angeln in Kanada sondern ich wurde auch zu seinem wichtigsten Begleiter, als er älter wurde.


Was hat Sie dazu bewogen, Ingenieur zu werden?
Ich habe mich für das Hauptstudium Maschinenbau entschieden, weil ich im ersten Sommer in Kanada zusammen mit meinem Großvater eine Hütte baute und er genau wusste, was zu tun war, während ich keine davon Ahnung hatte. Ich dachte, dieser Mann ist ein Naturtalent auf diesem Gebiet und beschloss, dass ein Abschluss in Maschinenbau die beste Möglichkeit wäre, um für Vermeer zu arbeiten. Die Erinnerungen an den Gründer dieses Unternehmens, wie er leibte und lebte, werde ich immer in meinem Gedächtnis behalten.


Was waren die größten Herausforderungen, mit denen Sie im ersten Jahr als CEO konfrontiert wurden?
Die Volatilität der von uns bedienten Märkte. Während der globalen Rezession im Jahr 2009 war ich noch in den Niederlanden tätig. Ich verbrachte gerade sehr viel Zeit damit, die Kosten einzudämmen, um die Rentabilität des Unternehmens aufrechtzuhalten - und es hat sich ausgezahlt. Derzeit verzeichnen wir im zweiten Jahr in Folge einen leichten Umsatzrückgang. Unsere stärksten Umsätze erzielten wir bisher im Geschäftsjahr 2014, mit einem leichten Rückgang in 2015 und einem vermutlich weiteren leichten Rückgang in 2016. Besonders stark betroffen waren unser Auslandsgeschäft sowie unsere Geschäfte, die eng mit den Rohstoffpreisen verbunden sind.


Konnten Entlassungen bei Vermeer vermieden werden?
Seit 2003 gab es bei Vermeer keine Entlassungen mehr, obwohl es 2009 sehr verlockend gewesen wäre, Mitarbeiter zu entlassen. Unsere Konkurrenten sowie die meisten Unternehmen in den von uns bedienten Märkten haben Entlassungen vorgenommen, doch aufgrund unserer Erfahrungen aus den Jahren 2001 bis 2003 wussten wir, welchen Tribut derartige Maßnahmen fordern würden. Aus diesem Grund beschlossen wir 2009, alles in unserer Macht stehende zu tun, um Entlassungen zu vermeiden. In diesem Jahr setzten wir uns mehr oder weniger ein Ziel, die Gewinnschwelle zu erreichen, damit wir, wenn sich das Blatt wieder wenden würde, stärker auf einem wachsenden Markt positioniert sein würden - und genau so kam es schließlich auch. In den Jahren 2010, 2011 und 2012 ist unser Unternehmen jährlich um 30 Prozent gewachsen. Wir haben uns in dieser Zeit also quasi verdoppelt, ohne irgendjemanden entlassen zu müssen, denn als es wieder bergauf ging, war Akkordarbeit angesagt.


Inwieweit engagiert sich Vermeer für Fort- und Weiterbildungen in den STEM-Bereichen?
Wir sind große Befürworter von Bildungsmaßnahmen in den STEM-Bereichen. Meine Mutter und der Lieutenant Governor haben im Bundesstaat Iowa gemeinsam als Vorsitzende im STEM-Beirat fungiert. Und aufgrund meines Hintergrunds — ich habe zwei Hochschulabschlüsse im Bereich Maschinenbau und bereits vor meinem Eintritt bei Vermeer im Maschinenbau gearbeitet — bin selbstverständlich auch ich ein großer Befürworter der Förderung dieser Fertigkeiten in unserer Belegschaft. Jeden Sommer haben wir etwa 40 Praktikanten im Bereich Maschinenbau und sind daher eindeutig sehr stark in den STEM-Bereichen vertreten.


Wie stark ist die Produktvielfalt von Vermeer derzeit ausgeprägt?
Das ist ein interessantes Thema, denn der Agrarwirtschaftsbereich, der auf der legendärsten Erfindung meines Großvaters — der Rundballenpresse — beruht, macht lediglich 20 Prozent unseres Geschäfts aus. Dennoch sind wir weiterhin sehr stolz auf diesen Geschäftsbereich, denn er spiegelt auch die Vielfalt unseres Unternehmens wider. Achtzig Prozent des Geschäfts entfallen auf die Bereiche Industrie- und Baumaschinen und den Großteil davon stellt die Verlegung unterirdischer Versorgungsleitungen — Verlegung von Glasfaserkabeln, Stromkabeln, Erdgaspiplines, Wasser- und Abwasserleitungen etc. dar. Der nächstgrößte Geschäftsbereich ist die organische Abfallverarbeitung— Häcksler, Baumstumpffräsen, Holzhäcksler.


Wie stark sind die internationalen Umsätze geworden?
Die internationalen Umsätze beliefen sich bereits auf etwa 30 Prozent des Geschäftsvolumens. Doch infolge des hohen Dollarkurses ist dieser Wert in den letzten paar Jahren auf etwa 20 Prozent gesunken. Vor wenigen Jahren haben wir uns das Ziel gesetzt, 50 Prozent unserer Umsätze außerhalb der USA zu erzielen und wir verfolgen dieses Ziel ehrlich gesagt immer noch.


Welche Sektoren bieten insgesamt das höchste Wachstumspotential?
In einigen der von uns derzeit erforschten Märkten, darunter auch Parallelmärkte, ergeben sich natürlich gewisse Wachstumschancen, die wir durch neue Produkte zur Erfüllung neuer Bedürfnisse bestehender Kunden wahrnehmen könnten. Jetzt, wo sich der Dollar stabilisiert hat, möchten wir auch unsere internationale Präsenz weiter ausbauen. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass unsere Kernkompetenz — die Entwicklung innovativer und hochwertiger Nischenprodukte — bereits seit der Unternehmensgründung im Jahr 1948 besteht. Aus diesem Grund sehe ich einer erfolgreichen Zukunft mit neuen Produkten entgegen, die das künftige Wachstum unseres Unternehmen vorantreiben.

Welche Trends haben bei Herstellern höchste Priorität?
Wir sind weiterhin optimistisch, dass wir uns als Fertigungsunternehmen in den USA halten können. Es gab Zeiten, in denen Unternehmen dachten, sie könnten außerhalb der USA wirtschaftlicher arbeiten. Auch wir haben einige Fertigungsstandorte außerhalb der USA, doch ich bin weiterhin überzeugt, dass wir langfristig als Fertigungsunternehmen in den USA erfolgreich sein werden. Und ehrlich gesagt, gibt es keinen Ort, an dem wir lieber wären, als hier in Iowa. Wir haben eine großartige, hart arbeitende Belegschaft und hervorragende Wertvorstellungen.


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